Systemisch heißt, dass alles irgendwie zusammenhängt

Die systemische Perspektive interessiert sich nicht so sehr für Dimensionen wie Problem, Ursache oder sogar Schuld, sondern viel mehr für die Wechselwirkungen zwischen den Elementen sozialer Systeme, sei das nun in einer Familie, einer  Firma oder einer Organisation.

Da wir Menschen autonome und selbstorganisierte Wesen sind, kann Beratung zwar wichtige Impulse setzen, aber niemals intervenieren im Sinne von „das Problem coachen wir jetzt mal weg“. Interventionen sind im systemischen Kontext allenfalls Angebote oder Einladungen. Was ein Klient daraus macht, entscheidet er autonom. Der Coach unterstützt den Prozess auf professionelle Weise durch gezielte Fragen, Feedback, Übungen.

Prinzipien im systemischen Coaching von Constantin Sander

Systemisches Coaching folgt dabei folgenden Prinzipien:

  1. Ein System ist mehr als die Summe seiner Teile.
    Soziale Systeme entwickeln eigene Kulturen. Verhalten in Systemen lässt sich daher nur systemisch erklären.
  2. Ein Problem ist ein Symptom.
    Betrachten wir aber nur das Problem an sich, versuchen wir oft genug, das Feuer zu „bekämpfen“ aber nicht die Brandquelle zu löschen.
  3. Lösungsfokussierung.
    Die Betrachtung des Problems ist oft schon das Problem. Im Coaching lautet die Frage daher nicht: „Was genau ist die Ursache für das Problem?“ Sondern die Frage lautet: „Was genau muss geschehen, damit das Problem nicht mehr auftritt?“
  4. Fokus auf Wahrnehmungen, nicht auf Wahrheiten.
    Es geht (mit Ausnahme eindeutig überprüfbarer Fakten) nicht darum, was vermeintlich wahr ist, sondern um die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Menschen.
  5. Wahlmöglichkeiten erhöhen.
    Menschen nehmen in Problemsituationen die Auswege nicht wahr und laufen immer wieder gegen die Wand – oft nur zehn Zentimeter neben der offenen Tür. Ein Wechsel der Perspektive hilft hier weiter. Lösungen lauern überall!
  6. Segeln statt rudern.
    Dynamiken des Systems nutzen, nicht gegen sie arbeiten. Im Coaching werden Wege erarbeitet, wie Menschen sich selbst ändern können, um innerhalb des bestehenden Systems zum Ziel zu kommen.
  7. Dynamisch handeln.
    Die Navigation in lernenden Systemen, so auch Coaching, ist ein dynamischer Prozess, der große Aufmerksamkeit und fortwährende Überprüfung von Wegen und Zielen erfordert.

Ziel von systemischen Coaching kann es nicht sein, zu „richtigen“ Lösungen zu gelangen. Ob eine gefundene Lösung „richtig“ ist, lässt sich vorab nicht berechnen. Vielmehr zielt systemisches Coaching darauf ab, für den Coachee nützliche Lösungen zu erarbeiten. Nützlich kann grundsätzlich alles sein, was den Handlungsspielraum real erhöht und zu tragfähigeren Denk- und Handlungsmustern in Bezug auf das Coachingziel führt. Tragfähig können nur solche Lösungen sein, die an den vorhandenen Potentialen des Coachee ansetzen und diese erweitern.